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Hellsehen
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HELLSEHEN 
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Die Tradition des Hellsehens ist in unserer Kultur sehr alt, war aber lange Zeit verfemt und wurde unterdrückt. In Europa waren die letzten Schamanen meist Frauen. Die Reste des Schamanismus, die in Gestalt der Hexenkünste des Mittelalters bestanden, wurden mit Beginn der Neuzeit ausgerottet. Im Jahre 1487 erschien ein Buch, das als „erfolgreichstes Handbuch der Hexenjäger“ traurige Berühmtheit erlangte: Malleus maleficiarum. Die Inquisition sorgte während der folgenden 250 Jahre dafür, dass die Scheiterhaufen brannten, dass die seherisch begabten Frauen ausgerottet wurden, dass Medizin zur Männersache wurde. Die Menschen lernten brav, sich vor dem Tod zu fürchten. In anderen Kulturen sind schamanische Traditionen lebendig. Die Tungusen, die als Rentierhirten am Baikalsee in Sibirien leben, gaben der Tradition den Namen, die schamanische Kultur der Indianer Nord- und Mittelamerikas ist bis heute lebendig. Schamane bedeutet soviel wie Seher, Wissender. Was die Kulturen der Indianer und Sibiriens von unserer Welt unterscheidet, ist die Pflege der Traditionen. In einem geistigen Klima, in dem außersinnliche Wahrnehmungen an der Tagesordnung sind, wird jemand, der solche hat, nicht für verrückt erklärt. Ganz im Gegenteil, dort gilt das Ausbleiben solcher Wahrnehmungen als bedrohliches Zeichen und wird zum Anlass für Besorgnis.
Hellsehen heißt: Die leisen Gehirnteile aktivieren und unser Wachbewusstsein und die laute linke Gehirnhälfte beruhigen. Neben der biologischen Ausstattung gibt es ein paar Charakterzüge, die den Zugang zum Hellsehen erleichtern können. Das sind: die Fähigkeit zur Innenschau und zu tiefer Konzentration, zu Meditation oder zu Tagträumen, und ein intensiver Wissensdrang. Notwendig ist auch die innere Überzeugung, dass wichtige
Je schwerwiegender die Probleme der Menschheit, desto höherrangig die Schutzengel. Gott ist reinste positive Energie. Sehen lernen setzt klares, positives Denken voraus. Einige Verhaltensweisen, die Visionen fördern, werden in der Bibel beschrieben. Fasten, gemeinsames Gebet, Schlafen, prophetische Verzückung. Andere Traditionen: Reiki, Yoga, Meditation, autogenes Training, Trommeln, Blick in eine brennende Kerze.
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts befreite sich die Psychologie aus den Kinderschuhen. Sie untersuchte unser Bewusstsein, unser Unterbewusstsein – und dann kam C.G. Jung und postulierte, es müsse etwas Drittes geben, aus dem wir Traumbilder schöpften. Diese speziellen Traumbilder, die er bei sehr vielen Menschen erkannt hatte, waren uralt und auch in Märchen als Motive verkörpert. Und sie waren der gesamten Menschheit vertraut. Diese Traumbilder nannte er Archetypen. Die Instanz, die diese bewahrten und an die wir im Traum andockten, nannte er das kollektive Unbewusste. Jung war damit der erste, der in moderner Zeit einen Wissensspeicher außerhalb unseres individuellen Geistes annahm, zu dem wir – auf rein geistiger Ebene – Zugang haben. Dann zeigte sich, dass dieses kollektive Unbewusste als Wissensspeicher keineswegs auf Menschen beschränkt war, sondern auch auf Tiere. Nicht nur Archetypen, auch aktuelles Wissen wird offensichtlich im kollektiven Unbewussten gespeichert.
Eine Trance ist ein „hypnoseähnlicher Zustand“. Hypnose wiederum ist eine Veränderung des Bewusstseins mit Einengung der Aufmerksamkeit, Minderung des Realitätsbezugs und gesteigerter Suggestibilität usw., wobei zwischen einer oberflächlichen Hypnose, die dem Wachzustand ähnlich ist, und einer tieferen, schlafähnlichen Hypnose unterschieden wird.
Veränderung des Bewusstseins, schlafähnlicher Zustand, Traum, Wachzustand – bei alla diesen Dingen geht es um unser Gehirn. Die Energie, die in unserem Gehirn fließt, lässt sich messen und aufzeichnen. Dazu braucht man einige Elektroden, die mit Klebestreifen auf den Kopf befestigt und mit Drähten an einen Verstärker angeschlossen werden, der die empfangenen Impulse an einen Schreiber weitergibt Dieser überträgt die Veränderungen der Gehirnströme auf das Papier. Dieses Elektroenzephalogramm (EEG) wurde 1929 entwickelt.
Ein Jahr später wurden die raschen Augenbewegungen wissenschaftlich untersucht, die wir im Schlaf machen, wenn wir träumen, und in den 50er Jahren begann die Schlafforschung mit ihrer Untersuchung der verschiedenen Schlaf- Wach- und Traumphasen.
Während des Wachzustandes sendet unser Gehirn ein ziemlich hektisches Wellengewirr, dicht gezackte Linien mit starken Ausschlägen nach oben und unten. Sie haben eine Frequenz von 13 bis 30 Hertz und heißen Beta-Wellen.
Wenn wir einschlafen sind unsere Hirnströme ruhiger, doch sehr charakteristisch: das EEG zeigt gezackte Linien mit niedrigen Ausschlägen in einer Frequenz von 8 – 12 Hertz, die so genannten Alpha-Wellen. Der Zustand, in dem unsere Gehirnströme diese Wellenform beschreiben, heißt nach ihnen Alpha-Zustand. Es ist ein Zustand der körperlichen Entspannung, in dem Gedanken ruhig fließen, in dem wir zuversichtlich sind und ein bisschen wie benebelt zwischen Wachen und Schlafen im Halbschlaf dahindämmern.
Die Frequenz der Gehirnströme im normalen Schlafzustand geht in ihm auf 4-7 Hertz zurück, ihr Bild ergibt spindelförmige, an- und abschwellende Zacken, die so genannten Theta-Wellen.
Träume, so fanden die Schlafforscher heraus, spielen sich im Alpha-Zustand ab, tiefe Meditationen hingegen im Theta-Zustand. Diese Zustände sind mit körperlicher Entspannung oder völliger Ruhe verbunden, während unser Gehirn dabei aktiv ist.
Auch bei der Hypnose gilt grundsätzlich das gleiche: sie finden im Alpha- bzw. im Theta-Zustand statt.
Für Trancen, besonders die leichte Halbtrance, ist der Alpha-Zustand des Gehirns charakteristisch. Ihn finden wir auch bei Säuglingen, die bekanntlich vor der Geburt bereits träumen.
Unser Wachzustand ist ein energiereicher Beta-Zustand.
Die Trance, der Traum und die leichte Hypnose sind demgegenüber veränderte Bewusstseinszustände. Unser Gehirn ist dabei im Alpha-Zustand, dieser ist mit geringerem Energieaufwand verbunden als der Beta-Zustand – die Frequenz der Hirnströme ist geringer.
Eine weitere Absenkung der Gehirnaktivität führt zu dem noch energieärmeren Theta-Zustand, der einer tiefen Hypnose oder einer tiefen Meditation entspricht. Ein Yogi lässt sich in diesem Zustand nicht durch große Kälte, Geräusche oder anderes aus der Ruhe bringen.
Jede Gehirnhälfte hat eigene Funktionsbereiche, die bei Männern normalerweise strikter getrennt sind als bei Frauen. Frauen denken mit dem ganzen Gehirn und neigen daher zum reicheren Assoziieren, Männer denken mit den gerade erforderlichen Teilen, entsprechend unterschiedlich fällt die resultierende Logik aus.
Die linke Gehirnhälfte ist diejenige, die unsere Handlungen, unsere aktiven Kontakte mit der Außenwelt steuert, darunter auch die rechte Hand.
Die rechte Gehirnhälfte dagegen ist die leise, die in Bildern denkt. Wenn wir wach sind, dominiert die linke Gehirnhälfte. Im Traum schaltet sie ab.
Bei Gehirnverletzungen ist unter bestimmten Voraussetzungen jede der beiden Gehirnhälften dazu in der Lage, Funktionen von der geschädigten anderen Hälfte zu übernehmen, denn die Hälften sind untereinander verbunden. Die größte Brücke zwischen beiden Gehirnhälften ist das Corpus callosus, das bei Frauen messbar dicker ist als bei Männern. Zwischen den Schläfenlappen gibt es zusätzlich eine direkte, allerdings recht schmale Verbindung, die Commissura anterior.
Wir besitzen drei Sprachzentren, und alle drei sitzen in der linken Gehirnhälfte. Auch diese Sprachzentren können bei Verletzungen in frühem Kindesalter von der rechten Gehirnhälfte übernommen werden, die normalerweise „stumm“ ist. Eines dieser Sprachzentren ist für Verstehen, Bedeutung und Aufbau der Sprache zuständig. Es wird nach seinem Entdecker Wernecke-Zentrum genannt und liegt im linken Schläfenlappen. Im Unterschied dazu ist z.B. das Broca-Zentrum im linken Stirnlappen für Artikulation, Tonfall, Grammatik und Wortschatz zuständig, also für das eigentliche Sprechen. Reizungen der Gehirnpartie, die einem unserer Sprachzentren genau gegenüberliegt, lösen Halluzinationen aus. Diese Gehirnpartie ist also das innere Ohr.
Nicht alle Teile unseres Gehirns sind gleich alt. Dabei geht es nicht um Teile wie Hirnstamm und Kleinhirn, die für Reflexe und Koordination von Bewegungen zuständig sind bzw. als Schaltstellen dienen, sondern nur um das Vorderhirn.
Unsere Großhirnrinde ist deshalb vielfach gefaltet, damit in unserem Kopf möglichst viele Gehirnzellen untergebracht werden können. Den überwiegenden Anteil macht der Neocortex aus, das Neuhirn. Es entwickelte sich vor etwa 10 Mio. Jahren und hatte vor 100.000 Jahren den Zustand des Neandertalers erreicht. Es ist für abstraktes Denken zuständig, der Sitz unseres Bewusstseins, unseres Ichs, unserer Vernunft, unseres Verstandes. Dieser Neocortex überlagert den Mesocortex, das Zwischenhirn, das so genannte limbische System. Es entwickelte sich vor etwa 150 Mio. Jahren mit dem einfachen Gehirn der Säugetiere und ist für Geruch, Geschmack und Gefühle zuständig. Es enthält unsere Gewohnheiten, unser Gefühl für das, was sich gehört, es ist der Sitz unseres Unterbewusstseins und unserer Empfindungen. Wieder hierunter liegt der älteste Teil unseres Vorderhirns vergraben, der so genannte Reptilienkomplex. Er entwickelte sich vor etwa 300 Mio. Jahren auf der Entwicklungsstufe der Reptilien. Hier sind angeborene Verhaltensweisen verankert. Instinkte, Orientierungssinn, Brutpflege, Revierabgrenzung, Bildung von Rangordnungen und die Prägung. Er ist der Sitz unserer Vitalität, unseres kollektiven Unterbewussten, unserer animalischen Bedürfnisse und natürlich auch unserer animalischen Fähigkeiten. In diese alten Gehirnteilen sitzen nicht nur die Quellen von Problemen, hier sitzen auch unsere animalischen Fähigkeiten zur Kommunikation ohne Worte, über die Grenzen der Fremdsprachen hinweg, die Fähigkeit zur Kommunikation mit Tieren, zur telepathischen Verständigung über größere Strecken hinweg.
Jeder von uns hat diese Fähigkeiten. Im Zuge der Entwicklung des Neocortex, der neuen Großhirnrinde, wurden sie nur immer weniger trainiert. Bereiche der Großhirnrinde übernahmen die Aufgaben des Sehens, Hörens und Denkens, und sie übernahmen sie besser als die alten Teile. Auch heute noch gibt es Menschen, deren übliche Form, miteinander zu kommunizieren, lautlos ist.
Telepathische Botschaften sind wie Halluzinationen akustische Wahrnehmungen, die uns nicht über das Ohr erreichen. Diese Botschaften erreichen direkt unser Gehirn, und zwar jene Teile, die seit uralter Zeit damit umgehen können. Diese empfangen, ordnen und filtern die erhaltenen Botschaften und reichen sie weiter an jene Partie in der rechten Gehirnhälfte, die dem Wernicke-Zentrum gegenüberliegt. Diese setzt sie um in einen neuen Code.
Wir empfangen ständig telepathische Botschaften. Der Haken dabei ist nur: wir sind meistens im Wachzustand, wo unsere Träume, unsere Botschaften aus dem Paläocortex durch unser lautes Bewusstsein überlagert werden.
Wenn die Belastung, der Stress zu groß wird, schaltet das Großhirn ab – und dann ist die Bahn frei für außersinnliche Wahrnehmungen. Hellsehen können wir immer dann, wenn wir „nur“ ein paar Schalter in unserem Gehirn umlegen: Um unsere uralten Fähigkeiten zur Kommunikation mit allen Lebewesen und zur Telepathie sowie unseren Instinkt wieder zu aktivieren, müssen wir unser lautes Bewusstsein so weit abschalten, dass es sie nicht völlig überlagert.
Propheten erheben den Anspruch, dass sie den Gott offiziell wiedergeben. Den Helden der Ilias erschienen in Stresssituationen ihre persönlichen Schutzgötter, für alle anderen unsichtbar, und sagten ihnen, was sie zu tun hätten. Heute würde ein Arzt das, was den Helden der Ilias da widerfuhr, als Halluzinationen bezeichnen. Wohl im zweiten jahrtausend v. Chr. begann der Zusammenbruch dieser Welt, in der die Menschen ihre Götter hörten. Es war die Zeit der großen Wanderungsbewegungen der Antike, im Zuge derer die halbe Bevölkerung des östlichen Mittelmeerraumes auf Wanderschaft ging. Anlass für diese Bewegungen waren geologische Katastrophen unvorstellbaren Ausmaßes, die zum großen Ausbruch des Vulkans Thera führten. An die Stelle der Götter trat ein begrenztes Orakel. Zunächst war es auf eindrucksvolle Orte beschränkt. Heute würden wir diese Orte vielleicht als Energieplätze bezeichnen mit besonders starker Strahlung, die eine gute Energie haben. Im Laufe der Zeit verlernten immer mehr Menschen ihre Fähigkeit des Hellhörens oder des Hellsehens. Von der orakelnden Priesterin Pythia weiß man, wie sie sich in Trance versetzte: Sie atmete benebelnde Dämpfe ein und kaute vor der Sitzung ein frisches Lorbeerblatt. Angeblich saß die Priesterin des Apollon beim Prophezeien auf einem Pfeiler oder hielt in der Hand eine Rute, und benetzte ihre Füße oder den Saum ihres Gewandes mit Wasser. Im kleinasiatischen Didyma spielte das Wasser eine Rolle beim Wahrsagen. Im Alten Testament der Bibel ist von Prophezeiungen die Rede, vom erscheinen Gottes im Traum, von außersinnlichen Wahrnehmungen und Visionen aller Art. In der Genesis, dem 1. Buch Moses, hören wir in der Geschichte Abrahams immer wieder, dass Gott mit Abraham spricht. Die heilige Johanna von Orléans hörte Stimmen, genauso Abraham, Moses, Samuel, Edgar Cayce, Jeane Dixon, etc.
Viele Menschen haben auf der Grenze zwischen Schlaf und Wachen Träume und Visionen, und bei vielen hellsichtig begabten Menschen ist dieser Zustand der Beginn ihrer Hellsichtigkeit. Ein Hellseher, der die Stimme Gottes oder eines anderen geistigen Führers hört, hat einen neuen, näheren Zugang zu Gott gefunden, bzw. zur Wahrheit, zum universalen Wissen.
Wenn du nach Rom fährst und die Sixtinische Kapelle besuchst, wo Michelangelo Buonarroti die großartigen Fresken des jüngsten Gerichts an der Kopfwand und die Erschaffung der Welt malte, und dir dabei die Decke und die Randfiguren an den Fenstern besser anschaust, so findest du hier zwölf Propheten und ihnen gegenübergestellt zwölf Frauen, die zwölf Sibyllen. Sibyllen waren weise heidnische Frauen, die über die Gabe des Weissagens verfügten. Der älteste Bericht über eine Sibylle stammt nicht aus der römischen Welt, sondern aus Kleinasien. An die Decke der Sixtinischen Kapelle gelangten die Sibyllen dank Vergil: Er ließ sie einen kommenden König des Friedens prophezeien. Das deuteten die Christen als Verkündigung der Geburt Christi. So wurden die heidnischen Sibyllen zu Verkünderinnen des Messias. Das zentrale Thema der Sibyllenweissagungen wurde immer mehr die Apokalypse, das Ende der Welt. Entstanden in den Jahrhunderten um Christi Geburt, systematisch zusammengetragen im 6. Jahrhundert, wurden die Weissagungen der Sibyllen erst in der Renaissance wiederentdeckt und mit den damals aktuellen Endzeitvisionen verbunden. All diese Erscheinungsformen des Hellsehens sind historisch belegt.
1555 erschien in Frankreich ein kleines Büchlein mit dem Titel „Les propheties de M. Michel Nostradamus“. Es wurde rasch zu einem Bestseller und erregte die Aufmerksamkeit der höchsten Kreise. Die Königin von Frankreich, Caterina de Medici las das Büchlein und forderte den Verfasser auf, nach Paris zu kommen. Sie glaubte, dass einige Prophezeiungen die Königsfamilie betrafen und wollte von ihm dazu Genaueres hören. Er sollte nachweisen, dass er kein Attentat auf den König plante.
Er war gefoltert worden, als er den führen Tod Heinrichs II. vorhergesagt hatte, der durch eine geborstene Lanze tödlich verwundet worden war. Seit 1559 erlebten die Prophezeiungen von Nostradamus immer neue Deutungen. Jede Zeit entdeckt neuen verborgenen Sinn hinter dem, was er in seinen Reimen vorhergesagt hatte. Im Zweiten Weltkrieg wurden Vierzeiler von Nostradamus sogar als Propagandamittel eingesetzt. Je tiefer er sich auf Gott einstimmte, desto genauer, desto mehr konnte er sehen. Die Grenze des Hellsehens ist für Nostradamus das Maß seiner Hingabe an den göttlichen Geist. Der Prophet ist nur Sprachrohr. Wenn er anfängt, an dem zuzweifeln, was er sieht, wenn er anfängt, sich kritisch mit dem Inhalt seiner Vision auseinanderzusetzen, ist es vorbei mit der Erleuchtung. Inmitten einer längeren Berechnung, als in einem Zustand körperlicher Ruhe und tiefer Konzentration, hatte Nostradamus seine Visionen. Körperliche Ruhe und geistige Sammlung stellen bis heute bewährte Voraussetzungen für den Weg in die seherische Trance dar.
Edgar Cayce hatte eine ganz außergewöhnliche seherische Begabung. Er wurde 1877 auf einer Farm in Kentucky geboren, las in seiner Kindheit gern die Bibel und hatte dabei seine erste Vision. Cayce lernte, sich selbst gezielt in Trance zu versetzen. Später arbeitete er eng mit einem Arzt zusammen, der ihn in seiner Praxis als medialen Diagnostiker einsetzte. Noch später erweiterte er seine Diagnosen auf Fragen nach dem Vorleben und auf zukünftige Fragen des Welt- und Wirtschaftsgeschehens. Seine Sprache als Medium war verständlich, wenngleich reich an Symbolen und Bildern. Wenn es um frühere Leben eines Menschen ging, sprach er auch in fremden Sprachen, die er selbst nie gelernt hatte.
Morgan Robertson war ein ehemaliger Seemann, der sein New Yorker Appartement wie eine Schiffskajüte eingerichtet hatte. 1898 hatte er eine Vision. Ein riesiger Luxusdampfer irgendwo im Atlantik kam aus einer dichten Nebelbank hervor. Er war etwa 300 ml lang, drei Schrauben sorgten für die damals unvorstellbare Geschwindigkeit von 23 Knoten, lauter sorglose Passagiere an Deck. Er sah 24 Rettungsboote. Er sah auch einen Namen: Titan. 14 Jahre später sank die Titanic auf seiner Jungfernfahrt. Robertson konnte im Wachzustand keine zwei Sätze zusammenhängend formulieren, er war ein einfacher, eher ungebildeter Mann. Dennoch verfasste er insgesamt über 200 Kurzgeschichten und Romane. Er behauptete, sein Körper und Geist werde von einem Geistwesen mit literarischen Fähigkeiten kommandiert.
Und aus diesem Wissen schöpften Robertson und Edgar Cayce und viele andere, wenn sie aus einer Trance, aus einem Traum oder einer Halluzination eine
August Kékulé träumte in einer Halbtrance, angeregt durch das Symbol der Schlange, die atomare Struktur des Benzolrings.
Nils Bohr erlebte im Traum den Anstoß für sein Atommodell.
Elias Howe erhielt die fehlende Lösung für die Konstruktion der Nähmaschinennadel durch einen Traum.
Cäsars Frau Calpurnia träumte von der Ermordung ihres Mannes etc. etc.
Sobald Prophezeiungen unter das vorgefertigte Raster einer Ideologie oder des religiösen Fanatismus gelegt wird, ist das nicht in Ordnung. Nicht nur eine vor gefasste Überzeugung, auch die Angst um die eigene Familie kann einen Hellseher betriebsblind machen. Je weiter weg der Lichtpunkt der Wahrheit ist, desto schwieriger wird es, Details zu erkennen.
Prophezeiungen über längere Zeiträume können nicht so detailliert sein wie solche für die unmittelbar bevorstehende Zukunft. Seit Albert Einstein wissen wir: Zeit ist Energie, und Energie ist Zeit. Aufgrund einer Vorhersage kann ein Mensch die Zeit beeinflussen, und zwar im guten wie im schlechten Sinne.
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